Die Roof Water Farm bei Little Wood

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Am Freitag Abend kam die Roof Water Farm nach Little Wood. Alle haben sich gefreut – „little farm trifft auf little wood“ – und es wurde wirklich schön. Man wusste nicht genau, ob es eine Vorlesung oder ein Picknick war, die Leute saßen auf der bunten Skulptur von Kerim Seiler und haben getrunken, gegessen, mitgeschrieben oder einfach nur gelauscht während die Sonne unterging.

Die beiden Farmerinnen Dr. Ing. Anja Steglich und Grit Bürgow kamen von der TU Berlin und haben uns ihr Projekt vorgestellt. Zoomen wir ein wenig hinein. Die Roof Water Farm ist das, was sie auf den ersten Blick verspricht – eine Farm auf dem Dach, die mit Wasser zu tun hat – und noch viel mehr.

Die Vorgeschichte der Farm reicht bis 1987 zurück, als ein IBA Wohnbau-Projekt in Kreuzberg mit einer Wasserinfrastruktur ausgestattet wird, die es erlaubt, das Grauwasser (Wasser aus Dusche und Waschbecken) aufzubereiten und zur erneuten Nutzung in die Wohnanlage einzuschleusen. Grit Bürgow und Anja Steglich knüpfen an diesen Gedanken und an die bestehenden Strukturen von Wohnblock 6 an. Die Fragen, die sie sich stellen sind: Wie kann man Wasserkreisläufe in Gebäuden schließen? Und wie kann man die Wasserinfrastruktur auf städtischer Ebene flexibler gestalten?

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Am Anfang ging es vor allem ums Wasser, denn Fakt ist: Der durchschnittliche Stadtmensch verbraucht ca. 100 Liter Wasser am Tag, davon nimmt er aber nur 6-8 Liter als Nahrung auf.  82 Liter müssen also gar keine Trinkwasserqualität haben, sondern Badewasserqualität. Diese kann man problemlos aus Grauwasser herstellen. Der Gedanke vom Wasserkreislauf verzahnte sich relativ schnell mit der Idee des Nahrungskreislaufes und so kam die Agrikultur mit in das Projekt: Aquaponic.

Aquaponic ist ein System, bei dem Pflanzen ohne Erde, mit ihren Wurzeln direkt im Wasser wachsen. In diesem Wasser schwimmen Fische, die die Pflanzen durch ihre Ausscheidungen mit Nährstoffen versorgen. Keine wirklich neue Erfindung – schon vor 4000 Jahren haben die Chinesen Fische in ihre Reisfelder gesetzt, weil sie gemerkt haben, dass der Reis so besser wächst. Brit Bürgow und Anja Steglich setzen ihre Fische in Gewächshäusern in Badewasser, das durch Grauwasser entstanden ist und eine bessere Wasserqualität hat als die meisten Flüsse heutzutage. Darin lassen sie zur Zeit Erdbeeren wachsen.

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So ist die erste Roof Water Farm entstanden, ein Projekt zwischen Architektur, Landschaftsarchitektur, Agrikultur, Fischerei und Stadtplanung. Und es tun sich immer neue Fenster auf. „Wir hätten nie gedacht, dass es so schön ist.“ Die Augen der Wissenschaftlerinnen strahlen, wenn sie über ihre Visionen einer grünen Stadt sprechen, die auf allen möglichen Dächern kleine Gewächshäuser hat. Das wäre nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Gesellschaft. Nachbarn würden sich auf ihren Dächern treffen, könnten Abende in ihren Gewächshäusern verbringen und den Ausblick genießen.

Zur Zeit arbeiten Anja Steglich und Brit Bürgow gerade daran, Prototypen zu entwickeln, das heißt Prototypenbezirke, die veranschaulichen können, wie ein System von Roof Water Farms auf städtischer Ebene funktionieren könnte. Wer mehr Informationen haben möchte, kann auf die Webseite gehen, sollte aber vor allem den Wohnblock 6 in Kreuzberg besuchen.

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Text: Theresa Patzschke

Bilder: Marc Brinkmeier

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