Charged Vacancy




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Bei der Rezeption von Kunst gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Es ist die Bereitschaft des Betrachters, den Gedankensprüngen des Künstlers zu folgen. Denn nur so ist es möglich, sich auf Metaphern einzulassen. Metaphern sind Einladungen an die Vorstellungskraft, sich von einem tatsächlichen Konzept hin zu einem größeren Verständnis zu lösen. Letzteres ist von subjektiverer und vorstellungsreicherer Natur und damit empfänglicher für den Einfluss von Emotionen, erwachsen aus Assoziationen und Erinnerungen.

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Die Arbeit Vacancy (Leerstelle, Vakanz) knüpft an das Werk No Vacancy an, das erstmals 2010 gezeigt wurde. Ein schriftliches Statement, das auch als eine Art Wegweiser für einen Seinszustand wahrgenommen werden kann. In der Vorstellung des Publikums mag es keinen freien Platz für etwas Beständiges geben, vielleicht gibt es auch kein verfügbares Jobangebot. Vacancy, 2014 erstmalig in Berlin präsentiert, läd ein, den Schriftzug als offene Metapher zu betrachten, das leuchtende Neon-Schild als Schrei nach Aufmerksamkeit zu lesen. Man fühlt sich an den leeren Zustand einer Übersättigung erinnert. Die Darstellung von Töpfen und Pfannen stellt das ihnen innewohnende Potential dar, Essen zu präsentieren, das seinerseits in ein verdauliches Objekt des Konsums verwandelt werden kann.

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Nikous Schaffen bringt Bilder des Surrealismus zutage. Ihre Arbeit mit Besteck und Geschirr suggeriert oft das Unverdauliche oder das Unmögliche in Hinblick auf Funktion und Zweck. Wie Oppenheimers Teetasse besteht Vacancy aus einer Gruppe funktionaler Ware, arrangiert in einer sinnlosen Anordnung. Es wird ein Zustand der mentalen Leere hervorgerufen, provoziert durch die Metapher, vielleicht zu viel gegessen zu haben oder durch das, was man gegessen hat und wie. Ähnlich verhält es sich mit Nikous Schmuck, den sie aus vergoldeten Cheezels herstellt – ein hochwertig verarbeitetes Lebensmittel, das gleichzeitig so auflösbar und vergänglich ist. Letztendlich ist Schmuck etwas, das wie manche Küchenutensilien als überaus kostbar und dekorativ wahrgenommen werden kann.

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Aus Essen etwas zu gestalten, das über das Vergängliche hinausgeht, wie Nikou es in ihrer Kunst regelmäßig tut, bedeutet dieser Ressource auf eine wertschätzende Art und Weise Gestalt zu verleihen. Und zwar indem man sich der Methodik des Handwerks bedient und etwas ganz persönliches hinzufügt. So schafft man eine Welt, die etwas völlig neues, außerhalb des vergänglichen Alltäglichen darstellt. Die Künstlerin erklärt: “Ob man sich nun für eine handwerkliche Gestaltung anstelle einer industriellen entscheidet – die experimentelle Bedeutung oder der Erfolg meiner Arbeit hängt letztendlich von einer symbiotischen Beziehung zwischen Konzept und physischem Prozess ab. Der Ausdruck von Kunst zielt auf eine nicht-lineare Bedeutung ab und wird oft durch die stille Praxis des Gedichteschreibens hergeleitet.’ Diese poetische Ausdrucksweise lässt an Gertrude Stein erinnern, eine weitere Künstlerin, die alltägliche Dinge in einem ganz anderen Licht erschienen ließ, indem sie, wie Nikou mit Wiederholungen arbeitet und mit einer dezentrierten Herangehensweise an aufgeladene Metaphern. Das Publikum wird in überraschende Richtungen geführt:

ROASTBEEF.

In the inside there is sleeping, in the outside there is reddening, in the morning there is meaning, in the evening there is feeling. In the evening there is feeling. In feeling anything is resting, in feeling anything is mounting, in feeling there is resignation, in feeling there is recognition, in feeling there is recurrence and entirely mistaken there is pinching. All the standards have steamers and all the curtains have bed linen and all the yellow has discrimination and all the circle has circling. This makes sand.

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