Essen wie Jazzy #2:
Balikci Ergün

Fisch unter den S-Bahn Gleisen

Nachdem ich einige Zeit in Istanbul gelebt hatte, konnte ich es kaum erwarten Balicki Ergun mal auszuprobieren, ein türkisches Fischrestaurant der ersten Stunde in Moabit. Ich hatte gehört, dass es sich um ein winziges Lokal handeln soll und war erstaunt, nicht nur ein winziges Lokal vorzufinden, sondern eines, das sich zudem etwas einsam unter einem S-Bahn-Bogen befand. Als ich eintrat, war ich überrascht von der überladenen Einrichtung, ich hatte eher etwas schnörkelloses erwartet, aber das Gegenteil war der Fall. Zunächst musste ich mich bücken, um den hunderten Zeichnungen und Dankeschön-Notizen in zahlreichen Sprachen, die von der Decke baumelten, zu entkommen. Auch die Tische waren voll damit.

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Das Restaurant gibt es seit 20 Jahren. Das erklärt auch die Flut der Zeichnungen und Notizen. Es wurde von Ergun, einem ehemaligen Fußballspieler von Fenerbahce Istanbul, eröffnet. Obwohl sich sein Restaurant einer loyalen türkischen Anhängerschaft erfreut, fühlt es sich dennoch mehr wie ein Geheimtipp an. Paare, erste Verabredungen und einige türkische Männer füllen an einem Sonntag Abend langsam die vielleicht zehn Tische. Und es sah nicht so aus wie wenn es für irgendwen das erste Mal hier war. Die vier türkischen Jugendlichen neben uns rauchten während ihres Festessens.

Ich konzentrierte mich auf die einfache Speisekarte, auf der nur Fisch, Salat und einige Meze Gerichte zu finden waren. Als Vorspeise bestellten wir den gemischten Salat mit Granatäpfeln, Walnüssen, Oliven, Tomaten, Gurke, Dill und einiges mehr. Der Salat war gut, sicherlich besser als in den meisten deutschen Restaurants, aber er reichte trotzdem nicht ganz an die herausragenden Salate, die ich in der Türkei probiert hatte, heran.

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Dann bestellten wir die gefüllten Weinblätter mit Dill, den ich besonders mochte. Er erinnerte mich an eines meiner absoluten Lieblingsgerichte aus Istanbul: Wolfsbarsch in Weinblättern.

Auch bei Ergün gab es Wolfsbarsch und den bestellten wir dann auch zusammen mit einer Dorade zum Teilen. Der Fisch wurde auf einem Teller voller Limettenscheiben serviert, dazu gab es getoastetes Brot und marinierte Paprika, Kohl und Karotten. Der Fisch war einfach zubereitet mit etwas Paprikagewürz und auf eine perfekte Art und Weise gegrillt, so dass die Haut knusprig silbern glänzte. Der Kellner (der aus Antalya kam und darauf bestand uns seine Heimatstadt auf der Karte zu zeigen) erzählte, dass sie jeden Tag frisch beliefert werden und das Essen schmeckte in der Tat äußerst frisch.

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Ich hatte nicht genug Zeit, um das Pistazien-Halva zu probieren oder bis um 22 Uhr zu bleiben, wenn es oft Live-Musik gibt (was häufig in türkischen Restaurants, in denen auch Alkohol ausgeschenkt wird, meyhanes, vorkommt). Aber ich war zufrieden mit meinem Essen. Es ist ein entspanntes Lokal und das Essen war gut. Auch wenn es an aufwändigeren Gerichten fehlte, war der gegrillte Fisch auf seine einfache Art gut. Für ein bodenständiges Fisch-Gericht in einem ungewöhnlichen Ambiente mit großzügigem Service kann ich Ergün durchaus empfehlen.

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