Wie wir einem Salatkopf halfen, seiner Bestimmung zu folgen

Er ist glücklich ohne Geld, lebt von den Resten der Überflussgesellschaft und widmet sich der Rettung von Lebensmitteln vor der Tonne. Raphael Fellmer und seine Idee des FoodSharing sind immer mehr Menschen ein Begriff. Das Motto lautet: Essen teilen statt wegwerfen. Die Online- Plattform gibt Händlern, Produzenten und Menschen wie dir und mir die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel kostenlos anzubieten oder abzuholen.


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Es ist die Europäische Woche der Abfallvermeidung. Fellmer ist bei Weitem nicht der Einzige der findet, dass Lebensformen mehr Wertschätzung dafür verdienen, dass sie heranwachsen und den menschlichen Hunger stillen. Am Montag kamen neben Fellmer Lebensmittelretter, Mitarbeiter der Stiftung Initiative Mehrweg und der BioCompany zum Contemporary Food Lab, um FoodSharing hautnah zu erleben. Schnell wird klar, dass die Idee sich in die Herzen einer bunt gemischten Menge gebrannt hat. So ist neben Mitarbeitern des Gemeinschaftsgartens himmelbeet im Wedding und vielen Journalisten auch Dr. Marie- Louise Dittmar des Bundeministeriums für Ernährung und Landwirtschaft dabei.

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Die Stiftung Mehrweg und der foodharing e.V. laden uns zur Mission des heutigen Tages ein: Lebensmitteln die Ehre erweisen, indem wir sie vor der Tonne retten, zubereiten und gemeinsam verspeisen. Erste Station ist die BioCompany in der Brunnenstraße, langjährige Partnerin von FoodSharing. Georg Kaiser, Leiter des Unternehmens, begrüßt uns herzlich und erzählt, warum er die Initiative begrüßt : “Bei uns zu Hause wurde damals nie etwas weggeworfen. Ich bin froh, dass wir dank der Zusammenarbeit mit FoodSharing jetzt noch mehr Abfall vermeiden können.”

Auch zu Hause bei Clemens Stroetmann wurden Lebensmittel stets dem Abfalleimer vorenthalten, erzählt er. Statt die dem Untergang geweihten Salatköpfe, Bananen und Mohrrüben über der Tonne abzufangen, setzen er und seine Stiftung Mehrweg einen Schritt vorher an – nämlich beim Transport. Schon während der langen Fahrt werden in klapprige Pappkisten gequetschten Vitaminbomben oft in Mitleidenschaft gezogen. Die Stiftung Mehrweg meint, das geht auch anders: Mehrwegkisten sind nicht nur wiederverwendbar, sondern auch stabil! Tatsächlich sind 34 von 35 Verpackungsschäden durch die Verpackungswahl vermeidbar, wie das Fraunhofer Institut bestätigt.

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Schwer bepackt mit Mehrwegkisten voll nicht mehr zu verkaufenden Broten, Salatköpfen, Äpfeln und Mohrrüben machen wir uns also auf den Weg zurück ins Contemporary Food Lab. Der Regen macht der allgemeinen Stimmung dabei wenig aus. Im Gegenteil: Immer mehr stellt sich ein freudiges Gemeinschaftsgefühl ein. Lebensmittel retten schweißt zusammen, wie es scheint! Mit Hilfe von vielen helfenden Händen und Sabrina Warning, Köchin für Katz  Orange und Contemporary Food Lab, ist bald ein köstliches 3-Gänge-Menü improvisiert: Avocadocreme und Salat zur Vorspeise, gefolgt von würzigem Ofengemüse. Als Dessert gibt es Jogurt mit frischen Früchten und Granatapfel- Topping.

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In freudiger Erwartung auf dieses Mahl setzen wir uns gemeinsam an den bunt gedeckten Tisch, der so wunderbar zu unserer Stimmung passt. Schon der erste Gang ist erfüllt von hellgrüner Frische und ein geschmackliches Abenteuer. Vielleicht schmeichelt er unseren Gaumen auch noch ein Stück mehr weil wir wissen, dass diese Fülle ohne die heutige Aktion einfach verschütt gegangen wäre. Ausgelassenheit, knackiger Salat und gebührende Wertschätzung. Ein schönes Gefühl. Und ein starker Kontrast zu dem Bild, das sonst so üblich ist: Ein trauriger Salatkopf, der in der stickigen Biotonne nach und nach seine lebensbejahende Vitalität verliert, ohne dass ich je jemand an ihm erfreut hätte.

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Vielen mag Fellmers Ansatz eines Lebens ohne Geld und ausschließlich von den Resten der Konsumgesellschaft, extrem erscheinen. In einem Punkt geben wir ihm am Ende des Tages jedoch alle Recht: Lebensmittel retten und teilen macht Spaß und hinterlässt ein unglaublich positives und verbindendes Gefühl. Die Woche der Abfallvermeidung geht zu ende – doch für viele Teilnehmer wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie sich als Retter in die Lager der Supermärkte begeben. Jeder kann Lebensmittelretter werden! Für mehr Gemeinschaft, Glücksgefühle und kulinarische Kreativität! Und alles ganz umsonst.

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