Eating like Jazzy #3:
Aus Liebe zum Lamm

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Seit mein Vater an meinem 12. Geburtstag ein Lamm auf einem Spieß röstete, bin ich Lammfleischliebhaber. Vor meiner Reise nach Marokko habe ich viel zum Thema Essen gelesen und fand heraus, dass es in Marrakesch eine Gasse gibt, in der täglich langsam geröstetes Lammfleisch dargeboten wird. Ich konnte es kaum erwarten, das Fleisch zu probieren.

Für unser erstes Mittagessen machten wir uns auf die Suche nach der Gasse. Sie war auf unserer Karte nicht eingezeichnet. Wir wussten aber, dass sie an der nördlichen Ecke des Djemaa-el-Fenn Platzes liegt. Als wir ohne WLAN zwischen den Ladenbesitzern, Zitronenverkäufern und Schlangenbeschwörern umherirrten, verlor ich langsam die Hoffnung. Doch dann sah ich hinter der nächsten Ecke eine Reihe von abgetrennten Lammköpfen. In der Mechoi- (oder Lamm-) Gasse gibt es nur fünf oder sechs Stände, so dass sie leicht übersehen werden kann.

Männer in weißen Kitteln standen hinter den Theken und boten uns auf Papier drapiertes Lammfleisch zum Probieren an. Wir entschieden uns bei Chez Lamine Hadj Mustapha zu essen, etwas weiter unten in der Gasse.

Nachdem wir Platz genommen haben, setzte sich Kellner Mohammed zu uns an den Tisch und malte uns ein detailliertes Diagramm auf eine Papierserviette, um uns zu erklären, was wir gleich verzehren würden. Wir bestellten ein halbes Kilo Lammfleisch und anstatt das Waschbecken im Essbereich zum Händewaschen zu benutzen, nahm ich dummerweise meinen Handdesinfizierer.

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Zuerst kam etwas Brot und dann die Hauptattraktion. Das Lammfleisch wurde auf Papier serviert, ohne Besteck. Ich nahm ein schimmerndes Rippenstück, mein Lieblingsteil. Das Fleisch war so zart, dass es sich von selbst von dem kleinen Knochen löste. Die Haut war leicht knusprig. Meine restlichen Bissen schmeckten mit etwas Salz und Kümmel sogar noch besser. Wir aßen mit unseren Händen und nahmen für die besonders fettigen Stücke etwas Brot zur Hilfe. Abgerundet wurde das Ganze mit marokkanischem Whiskey oder Minztee.

Bevor wir die günstige Rechnung bezahlten, zeigte uns Mohammed noch die unterirdischen Öfen, Löcher im Boden, in denen jeden Morgen ein ganzes Lamm über heißer Holzasche für fünf Stunden gekocht wird. Er erzählte uns auch, dass Mustapha schon für den König gekocht hätte.

Er lud uns ein am nächsten Mittag erneut vorbeizuschauen, um noch bessere Fleischstücke abzubekommen. Auch wenn wir das nicht mehr geschafft haben, will ich unbedingt wiederkommen, wenn ich das nächste Mal in der Stadt bin, in die Gasse der Lämmer.

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