Ein Gespräch mit Tomer Niv

Tomer Niv ist Musiker, Koch und Synästhetiker. Er sieht in Musikstücken Gerichte und in Akkorden Geschmäcker. Er macht Musik auf höchstem Niveau und hat mit  einigen der ganz großen Köchen gelernt. Letzte Woche hat er bei uns im Contemporary Food Lab zum Dinner geladen. Sein Vorhaben: Musik und Essen sinnlich und emotional verbinden. Es gibt wohl niemanden, der prädestinierter für ein solches Vorhaben ist, als Tomer Niv und dennoch war ich skeptisch vor dem Abend. Musik und Essen waren für mich zwei Dinge, die im besten Fall zu einer Situation verschmelzen konnten, aber niemals zu einem Gefühl. Ich habe mich geirrt.

Alles wurde anders, als Aaron Goldberg mit schaukelnden Akkorden sein Impresion de Bienestan eröffnete, dazu der Bass und das Olivenpüree, erdig. Erinnerungen vergessener Kindheitsgefühle waren ganz plötzlich da, aus denen Pfifferlinge herauswuchsen. Ich war in einem Wald, schlichte Saxophonlinien tropften in mein Herz und ich ließ mich in die undefinierbare Konsistenz des Kalbsbries’ fallen. Das Becken regnete metallisch über mich und die Erdnüsse zersplittern zwischen meinen Zähnen, Gänsehaut.

Wir haben mit Tomer über die Verbindung von Klang und Geschmack geredet, über Krieg und Frieden im Nahen Osten und das Potential von Essen, vielleicht irgendwann etwas zu verändern.

Bildschirmfoto 2014-07-04 um 17.46.44

CFL: In Israel ist Religion überall gegenwärtig – in Gebäuden, Heiligtümern, in der Politik. Welche Rolle spielt Religion in deinem Privatleben? Und glaubst du daran, dass es einen Gott gibt, der dir geholfen hat dahin zu kommen, wo du jetzt bist?

T: In meinem Privatleben sehe ich mich und andere Leute zuallererst als menschliche Wesen. Außerdem schaue ich zur Natur, denn ich denke, wenn es einen Gott gibt, will er, dass wir sie uns angucken. Er gab uns Augen und die sind der direkteste Weg unsere Existenz wahrzunehmen. Und was ich sehe ist, dass jeder Mensch gleich ist, alle sind in erster Linie einfach nur Mensch. Und das ist auf eine Art die Definition meiner Religion. Natürlich wurde ich als Jude geboren, und ich fühle mich dem auch sehr zugehörig. Allerdings fühle ich, dass ich genauso auch ein Buddhist, ein Moslem oder ein Christ bin, denn mit diesen Religionen verbindet mich auch viel auf einer individuellen Ebene. Ich denke aber auch, dass Religion problematisch werden kann. Wenn sie zum Beispiel durch ihre Modernisierung zum Mittel wird, Menschen an andere Orte zu schaffen, Was war die zweite Frage?

CFL: Glaubst du an Gott? Ist es seine Schuld, dass du tust, was du tust?

T: Schuld?? Wunder wohl eher! Ja, ich glaube sehr stark an Gott. Aber ich glaube Gott ist in uns und erscheint jedem sehr individuell.. Ich glaube an ihn als etwas Inneres, nicht an das Konzept eines weißbärtigen, alten Mannes, der manchmal sehr böse auf uns werden kann. Es ist eher ein Gefühl, aber ich kann ohne Zweifel sagen, dass meine Lebenserfahrung mir gezeigt hat, dass da etwas ist. Und dafür bin ich sehr dankbar.

CFL: Hat die Natur also etwas spirituelles für dich?

T: Ich unterscheide nicht wirklich zwischen spirituell und nicht spirituell. Alles ist beides. Die Natur kann auch etwas absolut Unspirituelles sein, während eine Stadt sehr spirituell sein kann. Ich habe die letzten fünf Jahre in der Natur gearbeitet und in der Stadt entspannt. Davor war es genau anders herum. Mein Restaurant Rama’s Kitchen ist mitten in der Natur auf den wunderschönsten Bergen. Eine total aufregende Landschaft.

1209824214_1359646360

CFL: Du hast mir gestern erzählt, dass du das I Ching-Buch, das alte chinesisches Buch der Wandlungen gelesen hast. Hat dich das in deiner Sicht auf die Natur und deine Arbeit beeinflusst?

T: Es ist ziemlich lange her, dass ich das Buch gelesen habe und es hat mich damals definitiv beeinflusst und einen Teil von mir bestimmt. Es ist ähnlich wie in der Musik: du lernst eine Tonleiter, und dann, wenn du improvisierst, vergisst du den Lernprozess vollkommen. Trotzdem beeinflusst dich dieser Lernprozess auch zehn Jahre später noch.

CFL: In Israel gibt es natürlich nicht nur Religion, sondern auch politische Spannungen und Krieg. Wir wissen, dass Musik eine Art Frieden herstellen kann. Das sieht man zum Beispiel an Projekten wie Barenboims West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Palästinenser und Israelis zusammen spielen. Denkst du Essen hat dasselbe Potenzial?

T: Ja, ich denke sogar noch stärker. Genau genommen hat Essen weniger Grenzen als jede andere Kunstrichtung. Eine Zutat ist eine Zutat. Und wenn Zutaten aus derselben Region kommen – Libanon, Israel, Syrien oder Palästina, dann ist es derselbe Grund und Boden. Für Zutaten existieren Grenzen also nicht wirklich. Es ist völlig egal, ob sie aus dem Norden oder dem Süden einer Grenze kommen. Und wenn man es so betrachtet, ist Geschmack auch etwas ohne Grenzen. In London und an anderen Orten habe ich in verschiedenen, internationalen Küchen zusammen mit Leuten aus aller Herren Länder gekocht. Wenn wir kochen, vergessen wir alles, wir sind dann halb Moslems, halb Christen, halb Juden – wir begegnen uns auf Augenhöhe, sowohl innerlich als auch äußerlich. Es ist wie ein soziales Experiment. Das Essen hat keine Grenzen und die Menschen führen diesen Gedanken noch weiter. Das ist eines der besten Dinge daran, in Israel zu kochen. Wir versuchen ein System zu aufzubauen, in dem es um die Realität geht, um Geschmack, Essen und Arbeit.

CFL: Ok, aber wo ist dann der Unterschied dazu in einer Band zu spielen, in der die Musiker Moslems, Christen und Juden sind? Wie Musik ist Kochen und Essen auch etwas sehr Kulturelles. Solange es also an verschiedene Kulturen gebunden ist, muss es doch auch genauso Grenzen haben.

T: Essen hat viel mehr mit der Erde zu tun. Es kommt von der Natur. Und die Natur lässt sich nicht durch Menschen und Kultur definieren. Musik kam auch einmal aus der Natur. Aber jetzt ist sie abstrakter, weil sie über hunderte von Jahren durch die Beschaffenheit von den Musikinstrumenten manipuliert wurde. Sie ist kultiviert. Und dadurch ist sie auch gefährlicher.

Pope-900x550

CFL: So wie ich es verstanden habe, empfindest du eine Art Synästhesie zwischen Musik und Geschmack. Wie muss man sich das vorstellen? Du hörst einen Ton und hast dann einen dazu passenden Geschmack im Mund?

T: Die Verbindung, die Referenz zwischen beidem, ist für mich die Emotion. Bestimmte Arten Musik erzeugen sehr starke Emotionen in mir. Diese Verbindung zur Musik hatte ich schon immer. Und diese Emotionen wollte ich auch schon immer durch Essen ausdrücken, denn ich glaube, dass Essen dazu sehr wohl in der Lage ist. Das ist der Ausgangspunkt meiner Überlegungen, ein sehr subjektiver natürlich. Und von dort versuche ich Verbindungen zu finden die, sagen wir, absoluter sind. Es geht also darum, die Bereiche Essen und Musik jeweils zu erforschen, Kontaktpunkte zu finden, und damit auf die reine emotionale Erfahrung aufzubauen. Das ist der Anfang des kreativen Prozesses.

CFL: Diese wunderbare Idee hast du in die Tat umgesetzt und wie wir gestern gesehen haben, hat es tatsächlich funktioniert. Aber stimmt es vielleicht auch, dass du eine synästhetische Gabe hast Essen, und Musik auf „biologische“ Weise zu verbinden? So wie andere Leute Farben sehen, wenn sie einen bestimmten Akkord hören?

T: Ja. Das fing alles an, weil ich Musiker war, bevor ich anfing zu kochen. Als ich angefangen habe zu kochen, beschloss ich, eine Weile mit dem professionellen Musikmachen aufzuhören, damit ich alles lernen könnte, was man über Kochen wissen kann. Natürlich hat das nicht funktioniert, denn je mehr man über Essen lernt, desto mehr Fragen tun sich auf. Inzwischen weiß ich allerdings genug um es wieder mit Musik zu kombinieren. Wie auch immer, ich erinnere mich noch an meinen 20-minütigen Radweg zur Arbeit, damals in England. Irgendwann begann ich Visionen von Essen mit Musik zu haben, daher kam die Idee. Da passierte wirklich etwas! Einmal sah ich diese umgedrehte Paprika, und irgendwie sah sie aus wie eine Art Meeresfrucht! Irgendwas in der Musik löste bei diesem visuellen Eindruck eine Geschmackserwartung aus, die wiederum ein Gefühl verstärkte und so diese Verbindung erschuf. Du meintest, dass das eine Art Gabe wäre. Ich würde es nicht Gabe nennen und wenn dann, nur, weil es extrem Spaß macht! Einfach nur ein Gericht zuzubereiten befriedigt mich nicht genug, aber mit Musik kann ich das Ganze wirklich genießen! Wenn ich einfach nur Essen koche – und das ist im Grunde das, was ich die letzten 10 Jahre getan habe – ist es ganz nett, aber ich brauche die Musik. Sie ist wie eine Art Rahmen für das Kochen. Wenn ich beides kombiniere, dann weiß ich, dass ich das Richtige tue.

IMG_2441 copy

CFL: Gestern habe ich gehört wie du dich mit dem Pianisten Alex Trebo über verschiedene Tonleitern unterhalten hast, und ihr wart euch beide einig dass sich ein cis Moll metallic-grün anfühlt. Vielleicht hattest du schon vorher die Fähigkeit Musik mit anderen Dingen zu verbinden, und kannst das nun auch aufs Essen ausweiten.

T: Ja, auf jeden Fall. Genau darum kam es so, dass ich zuerst Musiker und dann Koch wurde. Diese Kombination hat so große Vorteile. Wenn ich mich mit einem Musiker über Akkorde und Tonalitäten unterhalte, verstehe ich, was er sagt aus einem bestimmten Hörverständnis heraus. Aber Musiker, Musikwissenschaftler und Musikexperten in den Prozess des Kochens direkt mit einzubeziehen, ist etwas, das vorher noch nie da war. Dabei sehe ich das Ganze als eine wirkliche Herausforderung. Um nämlich wirklich wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen, muss man den kreativen Prozess sehr strukturiert gestalten. Kochen und Musik sind zwei absolut verschiedene Kunstrichtungen, aber beide sind sehr wissenschaftlich. Kochen ist Wissenschaft und Musik ist totale Mathematik, wenn man es sich mal genau überlegt! Wir müssen irgendwie die Zeit finden, das alles in ein gemeinsames System zu bringen. Ich wünschte ich könnte jede Woche eine 3-stündige Session wie gestern mit Alex machen. Nur, um die richtigen Töne zu finden. Kann man eine Tonart durch Geschmack ausdrücken? Oder durch eine bestimmte Konsistenz? Durch die visuelle Erscheinung des Gerichts? Das habe ich tatsächlich schon versucht in einigen Sessions rauszufinden, durch so eine Art psychologische Untersuchung. Aber ich bin zu keinem brauchbaren Ergebnis gekommen, weil Musik eine so extrem subjektive Erfahrung ist. Die einzelnen Farben entsprechen bei verschiedenen Leuten anderen Tonleitern – ein totales Durcheinander. Vielleicht sollte man an das Ganze wie an moderne Kunst herangehen. Denn, was ich mache, ist  genauso subjektiv wie moderne Kunst. Man muss die richtigen Verbindungen erst mal für sich selbst finden (die eventuell noch von einigen anderen Musikern geteilt werden). Vielleicht funktioniert es dann.

CFL: Ja, gestern hat es schon funktioniert. Und wer weiß wohin es dich führt, wenn du jetzt auch noch die Wissenschaft mit einbeziehst!

T: Ja wer weiß, vielleicht ruiniert es alles!

IMG_2325 copy

CFL: Übrigens war ich ganz schön beeindruckt heute Morgen. Du meintest, dass du noch keine Ahnung hattest, was du morgen kochen würdest! Was passiert jetzt? Woher nimmst du deine Inspiration? Hast du dir schon Songs ausgesucht?

T: Ich glaube, morgen werde ich drei der Gerichte noch einmal kochen, diesmal allerdings mit mehr Zutaten und mehr Komplexität. Das ist riskant. Stell dir vor, gestern habe ich mit jemandem gekocht, den ich vorher noch nie getroffen habe. An einem Ort, an dem ich vorher noch nie war, einem Lab dass auch noch nicht ganz fertig ist. Übrigens, ich muss sagen, dass ich es hier wirklich mag bei euch. Es fühlt sich gut an hier zu kochen und das ist keine Selbstverständlichkeit bei mir. Dennoch, die Situation ist ein bisschen unsicher. Ich werde heute noch einmal durch meine Musik gehen, und versuchen ein paar neue Songs zu finden. Wenn ich was Neues finde, werde ich darüber meditieren und gucken, ob mir ein Gericht einfällt, das sich gut dazu kombinieren lässt. Weißt du, es gibt diese Art von Musik, wo ich auf Anhieb weiß: ja, das passt! Mit anderer Musik geht es wiederum gar nicht, ich weiß auch nicht genau wieso. Die Musik muss Grenzen überschreiten und über das Mentale und Bewusste hinausgehen.

CFL: Ok, für morgen hast du dir also noch keine Songs rausgesucht?

T: Nein, nicht wirklich… Seit ich hier in Berlin bin, passiert alles ganz schön schnell. Bevor ich hierher kam, wusste ich noch nicht was mich erwartet, deswegen konnte ich auch nicht so viel vorbereiten. Ich wusste nicht so wirklich, was mich erwarten würde, und was für Zutaten mit  welcher Qualität ich kriegen würde. Ich wollte es auch dabei belassen, denn hätte ich einen Plan gehabt, wäre der mit Sicherheit nicht aufgegangen. Es ist besser keinen Plan zu haben, dann kann man sich von vornherein darauf einstellen, improvisieren zu müssen. Diese vier Tage, die ich jetzt hier bin, waren ein improvisierter Prozess, ein Experiment. Und das ist völlig Okay, denn wir haben die Ergebnisse, die wir wollten. Das Ziel von Ludwig und mir war es zu beweisen, dass die Kombination von Musik und Essen funktioniert, und das tut sie.

Bildschirmfoto 2014-07-04 um 20.08.55

CFL: Abgesehen von der logistischen Planung – ist auch der kreative Prozess irgendwie strukturiert? Wie bereitest du ein solches Dinner vor?

T: Ja, es gibt eine kreative Struktur. Das funktioniert so: Als erstes habe ich ungefähr 20 mögliche Songs die sich gut mit Essen kombinieren lassen. Die bringe ich mit und schaue, über was für Zutaten ich hier verfügen kann. Wenn ich einen Überblick über meine Möglichkeiten habe, fange ich an, die Musik zu hören und überlege mir, was zusammen funktionieren könnte. So kreiere ich einen ersten Entwurf des Menüs. Danach fängt die Organisation an: wer macht was, damit der Abend läuft.

CFL: hast du irgendwelche großen Idole – im Leben, in der Musik und in der Küche?

T: Im Leben habe ich verschiedene Idole, wenn auch nicht allzu große. MacGyver! Er war auf jeden Fall eins, als ich noch fünf war. Heute ist es vielleicht mein Vater. In der Musik ist mein größtes Idol, Pat Metheny, kein Zweifel. Er ist der Grund, warum ich überhaupt Musik mache! Er spricht nicht vom Leben auf diesem Planeten, er spricht von einem Leben in der Galaxie, echt abgefahren. Er bringt mich an die entlegensten Orte. Ich habe überhaupt angefangen professionell Bass zu spielen und 12 Stunden am Tag zu üben, damit ich seine Musik so spielen kann, damit ich auf dieses Level komme. Das ist es, was mich zum Jazz, und jetzt auch zur klassischen Musik gebracht hat. Noch ein musikalisches Idol ist vielleicht Beethoven. Du musst dir vorstellen, dass er seine neunte Symphonie geschrieben hat, als er schon taub war. Das ist eine Leistung von der sich niemand wirklich vorstellen kann, was es wirklich bedeutet. Er hat eins der größten Musikstücke aller Zeiten geschrieben als er taub war. Das ist echt ein ganz schöner Hammer.

CFL: Glaubst du sie könnte zusammen mit Essen funktionieren?

T: Die neunte Symphonie? Ja, auf jeden Fall. Der dritte Satz funktioniert mit Sicherheit, ich konnte nur das richtige Gericht noch nicht finden. In der Küche ist gehört Michel Bras zu meinen Idolen. Neben Brett Graham aus dem Ledbury Restaurant, in dem ich auch gearbeitet habe. Vielleicht ist er kein wirkliches Idol, eher ein Vorbild. Ich bewundere ihn dafür, wie er einen modernen Koch repräsentiert und seine Küche effizient führt. Seine natürliche Kreativität ist absolut unglaublich. Da gibt es ntürlich noch viele andere. Keine Idole, eher Köche, für die ich viel Respekt und Bewunderung habe.

CFL: Gibt es jemanden – tot oder lebendig – mit dem du gerne spielen oder kochen würdest?

T: Pat Metheny. Er spielt und ich koche! Er lebt sogar noch!

patmet7

CFL: Wenn du wählen könntest – wärest du lieber tot, oder würdest du noch ein bisschen länger als eine gesunde Pflanze oder als Tier leben?

T: Ich wäre lieber tot, das ist in Ordnung. Ich finde es ist ziemlich interessant tot zu sein. Es gibt wirklich genug zu tun wenn du tot bist.

CFL: Glücklicherweise bist du noch am Leben. Hast du Pläne wie du mit deinem Projekt weiter machen willst? In Israel oder in Berlin?

T: Weiter machen werde ich auf jeden Fall mit meinem Dinner-Konzept. Es wird in Richtung Pop-Up Dinner gehen. Das kann an den ungewöhnlichsten Orten wie Museum sein, am liebsten in Berlin und Israel. Das ist eine Möglichkeit etwas Ernsthaftigkeit in diesen Bereich zu bringen. Ansonsten habe ich noch ein Restaurant zu führen, was auch ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt und mir sehr wichtig ist.

0482

CFL: Musik und Essen haben friedensstiftendes Potential. Wie sieht es mit der Kombination von beidem aus und ihrer ganz besonders tiefen emotionalen Wirkung? Könntest du dir vorstellen, ein Projekt mit dem Fokus darauf zu machen?

T: Ich würde gerne ein solches Projekt machen. Aber die Beziehung zu meinen Kollegen und Angestellten ist mir das Allerwichtigste. Das ist kein Event, es ist Alltag. Vor einer Woche war ich auf einer muslimischen Hochzeit in einem arabischen Dorf, was eine unglaubliche Erfahrung für mich war. Durch das Zusammenleben lernt man sich gegenseitig zu respektieren. Einen solchen Zustand herzustellen ist wirkliche Koexistenz, mehr braucht man nicht. Arbeiten und friedlich kooperieren, das ist alles! Events gibt es natürlich viele in Israel, oft durch Unmengen europäischer Spenden finanziert. Bis jetzt haben wir allerdings noch keinen wirklichen Wandel bemerkt. Aber natürlich fände ich es fantastisch zu sagen: Lass uns ein Gala Dinner veranstalten, eine große Benefizparty mit einem rieseigen Budget für den Frieden.

CFL: Wo dann alle durch Musik und Essen hypnotisiert werden!

T: Ja, aber das ist nur ein Traum. Die Realität im Mittleren Osten ist deutlich härter. Man muss sehr pragmatisch sein und Tag für Tag seine Dinge durchziehen, wenn man wirklich etwas verändern möchte. Wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beiträgt, Freundlichkeit zu verbreiten, das würde schon wirklich helfen.

CFL: Wunderschön. Lass uns das tun.

Fragen: Theresa Patzschke

Kommentare

Lass einen Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.