Die Frau hinter der Food Art Week, Taina Guedes

Taina Guedes-O vento leva (LixoLuxo)

Ich traf Taina zwischen Kühlschränken in ihrer Entretempo Kitchen Galerie, in der gerade die Ausstellung Fridge! lief. Sie machte mir einen Tee und erzählte mir von den Vorbereitungen der Berlin Food Art Week. Warum denn eine Food Art Week fragte ich sie, wo du doch sowieso die ganze Zeit Food Art machst. „Ich will die Leute zusammen bringen. Es passiert ja zur Zeit so viel mit Essen und Kunst, da wäre es doch schön, wenn alle zusammen arbeiten.“

Der ursprüngliche Plan war es, eine intime Woche des Austausches und des Ausstellens voll von Essen, Begegnungen, Workshops und Kunst zu schaffen. Berliner Räume wie Agora, Entretempo Kitchen Gallery, Contemporary Food Lab und Zagreus, sowie befreundete Künstler und Köche könnten endlich einmal in Verbindung treten. Sie würden sich untereinander und der Stadt die Prozesse zeigen, die gerade im Bereich Essen und Kunst stattfinden.

Doch Taina hatte unterschätzt, wie gut ihre Idee eigentlich war. In kürzester Zeit bekam sie Bewerbungen aus der ganzen Welt. Es wurden Projekte eingereicht, die in keinster Weise mit ihrem Netzwerk verbunden waren. Inzwischen umfasst das Programm der Berlin Food Art Week über 60 Veranstaltungen an 30 Orten.

Wenn man über Food Art spricht, schwingt meistens die etwas unangenehme Frage mit, die im Zuge des aktuellen Food Hypes auf verschiedenen Niveaus bis ins Unergründliche diskutiert wird: Ob Essen Kunst ist und Kunst Essen sein kann. Aber Taina macht weder Unterschiede noch Verbindungen, was sehr angenehm ist. Sie macht einfach Dinge.

credit Tuca Paoli- Sweet exhibition

Taina wurde als Tochter eines Künstlers und einer japanischen Literaturlehrerin in Sao Paolo geboren. Mit 13 hat sie angefangen beim Radio zu arbeiten und mit 18 hat sie neben dem Gastronomiestudium ihr erstes Restaurant eröffnet: Nakombi, Japanische Küche in einem Kombi. Innerhalb von 9 Jahren machte sie 3 weitere Restaurants auf, experimentierte mit den traditionellen Rezepten und entwickelte eine Unterwäschekollektion mit Shunga-Motiven. Man muss wissen, dass es in Japan strengstens verboten ist, die Füße auf den Tisch zu setzen, um das Ausmaß der Provokation von ihrem ersten Catwalk zu begreifen. Dafür schob sie die Tische ihres Restaurants zusammen und ließ sie die damalige MTV Moderatorin Brasiliens halb nackt drüber laufen. Ein Zeichen gegen die Engstirnigkeit vieler traditionsbewusster Japaner, mit der sie im Laufe ihres Leben immer wieder zu kämpfen hatte.

Was Taina will, ist im Endeffekt nichts weiter als die Revolution. Sie träumt von einem Zustand, in dem die Leute über Sachen nachdenken, die wirklich wichtig sind, imagine. Kunst und Essen können sehr stark sein, wenn es um Menschen geht. Aber auch andere Mittel sind ihr recht: Mit den Schülern der Papageno Schule in Berlin erschuf sie einen Musikalischen Garten und erhielt dafür den UNESCO Preis für Engagement.

Das Programm und die Teilnehmer der Berlin Food Art Week sind extrem vielfältig und sind unter keinen Umständen unter einem Begriff zusammen zu bringen, auch nicht unter dem Begriff Food Art. Aber wenn es so etwas wie Food Art gibt, ist es wichtig, dass die Leute verstehen, dass es etwas anderes ist, als ein schön zubereiteter Teller oder ein Mahl neben Malereien. Es geht um viel, viel mehr.

Und:

„A dream you dream alone is only a dream, a dream you dream together is reality.“ Yoko Ono

Für die Workshops und Dinner sind die Plätze teilweise begrenzt. Besorg dir deine Tickets hier.

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