Lupine, die schöne Unbekannte

Wild Lupine, Mount Cook National Park, New Zealand

Wer einmal die Bekanntschaft mit einer Lupine gemacht hat, hat es schwer, kein Fan von ihr zu werden. Aber die Leute kennen sie nicht. Wer ist sie?

Gekochte Lupinensamen werden gerne von älteren Italienern in Süditalien zu einem Bier gegessen. Die Herren haben eine spezielle Technik entwickelt, in einer einzigen Bewegung die Schale aufzubeißen und sich das fleischig-herzhafte Innere in den Mund flippen zu lassen.

Lupinen wachsen zum Beispiel am Rand von herrlich saftigen Feldern voll von Mohnblumen und haben selber Blüten, die dem Mohn mit ihrem zarten Blau, Gelb oder Rosa auf subtile Art das Wasser reichen können. Auch das passiert bevorzugt in Süditalien, aber es kann ebenfalls in Deutschland passieren, wie man herausfindet, wenn man sich mit anderen Lupinen-Fans unterhält. Es soll sogar ganze Lupinenfelder bei uns geben – was für ein Traum! – aber man findet sie selten.

Ein sehr prominenter Lupinen-Fan war Friedrich der Große. Er hat die Lupine auf seinen Eroberungsfeldzügen kennengelernt und begeisterte sich sofort für sie. Er wollte sie nach Preußen bringen, träumte von Lupinenfeldern. Die sollten die Bevölkerung in Notlagen vor dem Hunger retten. Er ließ sogar Zwangsmaßnahmen verordnen, um die in den ersten Jahren misslungenen Anbauversuche zu wiederholen. Die Leute gaben der Pflanze jedoch keine Chance aufgrund des bitteren Beigeschmacks ihrer Samen. Sie wussten nicht, dass man diesem mit einem dreitägigen Wasserbad entgegenwirken kann. Auch hatten sie wohl nicht Hildegard von Bingens Physica gelesen, worin diese ziemlich detailliert beschreibt, wie man mit Lupinen das Leiden von Gedärmen heilen kann. Auch sie, ein früher Fan.

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Eines der beeindruckendsten Merkmale der Lupine bleibt, dass sie trotz ihrer außerordentlichen Qualitäten immer noch nicht berühmt ist. Ändern wir es. Es sollte einfach sein, man muss nur ein wenig über sie sprechen. Sprechen wir darüber, dass Lupinensamen Hülsenfrüchte mit allen ihren Vorzügen, überdies jedoch leicht verdaulich sind, weil sie keine blähenden Substanzen enthalten. Sprechen wir in einer Zeit, in der die Reduzierung des Fleischverbrauchs so wünschenswert wäre, vor allem auch über den hohen Eiweißgehalt der Lupinensamen, der fast an den von Sojabohnen herankommt. Aber natürlich übertrifft die Lupine die Sojabohne im Großen und Ganzen, weil sie so oft kaum Kilometer zu ihrem Verbraucher zurücklegen muss. Lupinen nämlich, gehören zu den wenigen Existenzformen, die aus dem mediterranen Raum kommen und trotzdem die Kälte lieben. Sie sind überall zu Hause. Besonders liegt ihnen sandiges Land, sowie das um Berlin.

Berliner, pflanzt Lupinen in eure urbanen Gärten! Brandenburger, baut leuchtende Lupinenfelder um die Stadt! Versorgt die Metropole der Veganer gemeinsam mit Eiweiß und tut auch dem Rest der Bevölkerung etwas Gutes: Die löslichen Ballaststoffe in den Samen sind gut gegen Diabetes und Herzkrankheiten.

Lupinensamen können alles Mögliche werden – Mehl für Brot, Öl fürs Kochen, Milch und Quark für Laktoseintolerante. Geröstet werden sie zu Kaffee-Ersatz und gekocht zum Snack (den man mit nur einer einzigen Bewegung öffnen und in den Mund befördern kann). Krönung ist vielleicht das Lupineneis. Lupinenblätter haben gewisse Ähnlichkeiten mit Hanf und können zu Textilien verarbeitet werden.

Die Lupine ist so schön und so gut. Aber nicht berühmt. Vielleicht ist sie einfach nur schüchtern. Wie sympathisch.

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Text: Theresa Patzschke
Bilder: hdwpics, wallpaperslot, wikipedia

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