3D Food Printer

Wer kennt sie nicht, die Szene aus 2001: A Space Odyssey, in der die Astronauten Frank Poole und Dave Bowman während der abendlichen BBC-Nachrichten undefinierbare, exakt portionierte Geschmacks-Pasten essen. Wer sich die Zukunft unserer Ernährung ungefähr so vorstellt, liegt sicherlich nicht völlig daneben, aber hat auch nicht kühn genug gedacht. 3D-Drucker können seit neustem nämlich nicht nur Plastikkunstwerke, Organe und Ersatzteile für halbautomatische Waffen ausdrucken, sondern nun auch echtes Essen.

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Die ersten 3D-Drucker existieren bereits seit den frühen 80er Jahren. Der Amerikaner Chuck Hull entwickelte die Technologie 1983, damals noch unter dem Namen „Stereolithografie“. Sie dienten hauptsächlich dem Erstellen von Modellen und industriellen Ersatzteilen, fanden in den letzten Jahren jedoch ihren Weg in die Kunst und in den privaten Haushalt. Das Prinzip ist schnell erklärt: eine Art Drüse, sprüht feine Lagen von flüssigem Kunstharz, Keramik oder Metall übereinander, wobei die Lagen nach und nach aushärten und so am Ende eine feste Form ergeben.

Nun hat sich das sogenannte „Bioprinting“ dasselbe Prinzip zueigen gemacht. Der entscheidende Unterschied ist jedoch dass der Drucker hier Lagen von lebenden Zellen übereinander legt. Die Technik des sogenannten „Tissue Engineering“ erlaubt es, ein biochemisches Gel mit eingeschlossenen Zellen so anzuordnen, dass sich die Zellen selbstständig zum Gewebe entwickeln. Die Technologie könnte in Zukunft in der Medizin eingesetzt werden, um Organe zu drucken und Patienten die lange Wartezeit auf ein Spenderorgan zu ersparen. Wenn ein Bioprinter Organe drucken kann, bedeutet das dass er nach demselben Prinzip auch Essen drucken kann, zumindest Fleisch.

Die Firma Modern Meadow arbeitet seit Jahren auf dieses Ziel hin. Um dem immensen Verbrauch an Ressourcen bei der Herstellung von Fleisch und der Schlachtung von Tieren entgegenzuwirken, möchte das Unternehmen gedrucktes Fleisch auf ein massenproduzierbares Level bringen. Moral-Vegetarier können also aufatmen und sich den Burger gönnen, auf den sie so lange verzichtet haben. Vorausgesetzt sie besitzen das nötige Kleingeld, denn der geschätzte Preis eines gedruckten Stücks Fleisch liegt aktuell bei ungefähr 50.000 €. Es dürfte also noch ein Weilchen dauern, bis wir das erste Kunstfleisch im Supermarkt kaufen können.

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Wem das zu teuer ist, der kann sich bald den „Foodini“ ins Haus holen. Eine spanische Firma hat den ersten Foodprinter für den privaten Gebrauch entwickelt. Sein Preis wird bei ungefähr 1000€ liegen. Dabei greift der Drucker nicht auf das Prinzip des „Tissue Engineering“ zurück, sondern behält die Technik der ursprünglichen 3D-Drucker bei. Mit anderen Worten heißt das: Man kauft Lebensmittel, zerkleinert sie, füllt sie in Patronen, drückt den On-Button und wartet, dass das Essen in lustigeren Formen rauskommt als man es reingetan hat. Bestimmte Zutaten, wie zum Beispiel Fleisch, muss man nach dem Drucken zusätzlich kochen. Die Bandbreite an Gerichten reicht von Pizzen über Plätzchen und Pasta, bis hin zu Burgern, also jedem Essen das einigermaßen flach ist. Der Sinn des Ganzen ist es dem modernen, an chronischem Zeitmangel leidenden Arbeitstier den anstrengenden Vorgang des Kochens abzunehmen und ihm eine gesunde, aber nicht minder langsame Variante zum Fast-Food zu bieten.

Überhaupt scheint das Drucken von Essen das Goldene Kalb der Lebensmittelindustrie zu werden. Die NASA beauftragte kürzlich einen Ingenieur mit der Entwicklung eines Pizza-Druckers, um den Astronauten der ISS ein wenig kulinarische Abwechslung bieten zu können. Die Zutaten der fertigen Pizza bestehen größtenteils aus lebenslang haltbaren, pulverförmigen Nahrungsextrakten. Der Pasta-Riese Barilla arbeitet zurzeit mit einem niederländischen Unternehmen an einem Drucker, der es dem Kunden ermöglichen soll, Pasta in seiner Lieblingsform zu drucken.

Wir haben es also mit einem Phänomen zu tun, hinter dem verschiedene Motivationen stecken. Auf der einen Seite steht die wissenschaftliche Forschung, bemüht das Leben auf der Erde zu verbessern und zu vereinfachen, dabei auf Nachhaltigkeit und den Schutz der Umwelt bedacht. Auf der anderen Seite steht die Lebensmittelindustrie, deren Ziel es ist, gewinn zu machen. Wer es sich leisten kann und will, kann seine Küche mit einer Spielerei bereichern, die in ihren jetzigen Kinderschuhen doch eher nur dekoratives Beiwerk als wirkliche Küchenhilfe ist.

Bis wir uns unser Essen direkt auf den Teller beamen können, schau ich mir lieber noch mal 2001 an…

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Text: Marlon Schröder
Bilder: starnewsonline, cityoftongues, ponoko

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