Die Elektronische Nase

Gegenpart der menschlichen Nase

7350121010_da8fbe1c5a_z© Tony Alter

Die elektronische Zunge demonstrierte bereits, wie sich die Forschung bei der Entwicklung neuer Technologien hin und wieder bei den Fähigkeiten des Menschen bedient. Doch das Schmecken ist nicht das Einzige, was die Maschinen von uns gelernt haben. Die menschliche Nase, ohne die wir auch nichts schmecken würden, hat einen künstlichen Gegenpart: Die elektronische Nase.

Aus evolutionärer Sicht war der menschliche Geruchssinn für den Fortbestand unser Spezies überlebenswichtig. Er half bei der Nahrungssuche, vermittelte was essbar ist und was nicht. Auf Lebensmittelaromen reagiert unsere Nase daher besonders empfindlich. Auch wenn wir mit unserem Riechorgan im Vergleich zu anderen Säugetieren eher ins Hintertreffen geraten, können wir schätzungsweise 1 Billionen verschiedene Geruchsmischungen unterscheiden. Oft sind diese auch emotional codiert. Ein bestimmtes Gericht kann an die Kindheit, ein bestimmtes Parfüm an einen geliebten Menschen erinnern.

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Weniger emotional geht da die elektronische Nase an die Arbeit. Was für uns die Riechzellen sind, findet man bei der E-Version in Form von empfindlichen Gassensoren wieder. Diese decken den größten Teil der gasförmigen Verbindungen ab, die in der Luft enthalten sind. Doch anstatt einzelne Gaskomponenten individuell zu analysieren, erstellen die Sensoren eine Art Querschnitt der genommenen Luftprobe. Da verschiedene Sensorentypen verschieden stark auf bestimmte Gase reagieren, entsteht dabei jedesmal ein spezifisches Muster, welches sich einer bestimmten Geruchsmischung zuordnen lässt. Zwar sind sie damit den biologischen Rezeptormolekülen noch weit unterlegen, dafür können die E-Nasen allerdings geruchlose Gase registrieren, die wir niemals bemerken würden.

Letztere Eigenschaft käme dem Menschen in einigen Situationen recht gelegen. Zum Beispiel bei der Erkennung verdorbener Lebensmittel, die keinen erkennbaren Geruch absondern. Diesem Problem nahm sich der Designer Hee Tae Yang an, und entwickelte den „Smeller“. Wer sich nicht sicher ist, ob dem Kühlschrankinhalt noch zu trauen ist, muss das Gerät nur an die Lebensmittel halten und bekommt dann auf Knopfdruck den Frischegrad auf einem Display angezeigt. Der Smeller nimmt eine Luftprobe und übersetzt die gesammelten Daten in Begriffe wie „very fresh“ oder „a bit rotten“. Ob und wann der Alltagshelfer in Serie geht, steht allerdings noch in den Sternen. Abgesehen vom Heimgebrauch könnten elektronische Nasen auch zur Qualitätsüberwachung bei industriell gefertigten Lebensmitteln dienen. So lassen viele Firmen inzwischen elektronische Nasen zum Geruchstest antreten, gilt es ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, ohne den Kunden durch unangenehme Duftnoten zu vergraulen.

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Es scheint als würde der Mensch nach dem Prinzip der Biomimikry, nach und nach eine sinnliche Kopie seiner selbst erschaffen. Zwar sind wir noch meilenweit davon entfernt Roboter zum Essen auszuführen, doch je öfter wir an unsere natürlichen Grenzen stoßen, desto näher rücken wir diesem Moment. Riechen, Schmecken, Hören, Sehen, Tasten: Ein gutes Essen kann all unsere Sinne ansprechen. Und, wer weiß? In einer fernen Zukunft ist dieses Privileg vielleicht nicht mehr nur uns vorbehalten.

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