Food Loop – Mit dem Smartphone gegen Lebensmittelverschwendung

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1,3 Milliarden Tonnen, das sind etwa ein Drittel aller global produzierten Nahrungsmittel, werden verschwendet1, von den für deren Produktion und Distribution eingesetzten Rohstoffen ganz zu schweigen. Laut einer Studie, die das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Auftrag gab, werden allein in Deutschland  jährlich etwa 10.970.000 Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Davon fallen etwa 550.000 Tonnen im Groß- und Einzelhandel an2. Hier wandern Lebensmittel wegen der Frische- und Qualitätspolitik der Supermärkte zum Teil schon vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) in den Müllcontainer. Aber auch der Verbraucher kauft lieber ein länger haltbares Produkt, wenn dafür nicht mehr bezahlt werden muss.

Das Start-up-Unternehmen FoodLoop setzt genau dort an und will diesem Trend entgegenwirken. Unter dem Motto „save it all“ hat eine Gruppe junger Männer um CEO Christoph Müller-Dechent eine App entwickelt, die den Verbraucher über die Verfügbarkeit von Lebensmitteln informiert, die eine kurze Resthaltbarkeit haben. Diese werden mithilfe eines neuen Barcodes, dem GS1 Data Bar, der auch Informationen wie das MHD speichert, in der Supermarktfiliale automatisch rabattiert und dies in Echtzeit an den App-Nutzer kommuniziert.

Artist Liu Bolin demonstrates an art installation by blending in with vegetables displayed on the shelves at a supermarket in Beijing

Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Verbraucher spart Geld, der Supermarkt muss nichts wegwerfen und kann sein Image hinsichtlich der überall gepriesenen Nachhaltigkeit aufpolieren. Und die Umwelt kann etwas aufatmen.

Das Unternehmen hat mit der Idee schon diverse Preise gewonnen, auch international. Zuletzt belegte man den ersten Platz in Ben & Jerry’s Wettbewerb „Join our core“, für Jungunternehmer, die die Welt positiv verändern. Auch die EU-Kommission hat kürzlich 50.000€ zugesagt, die der Expansion von FoodLoop dienen sollen.

CHINA KUNST

Denn im Moment beschränkt sich die Anwendbarkeit der App auf die drei Filialen der Bergfeld’s Bioladenkette in Bonn. Deren Geschäftsführer gefiel die Idee so gut, dass in seinen Läden seit August die Pilotphase der praktischen Umsetzung läuft.

Doch steht das junge Unternehmen schon in Verhandlungen mit möglichen Partnern in Irland, den Niederlanden und den USA. Optimistisch sieht FoodLoop sich 2025 dann auch „[d]efinitiv in jedem Supermarkt der Erde“³.

Da kann man nur viel Glück wünschen, für eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

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Bilder: Liu Bolin/YU Gallery, Paris

1  FAO. (2011). Global food losses and food waste – Extent, causes and prevention

² Kranert, M.et al (2012). Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland.

³ http://www.foodloop.de/Home/UeberUns

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