republica 2015:
Foodblogs 2.0

Blick über den Tellerrand

17206215479_65b286524b_z© re:publica/Gregor Fischer

Dichtes Gedränge vor Bühne 11, alle Stühle sind besetzt, an den Rändern sitzen die Leute schon auf dem Boden, es werden eifrig Stühle dazugestellt. Auf der Bühne: ein voller Korb Brot, Wurst und Bier. Was will man mehr zur Mittagszeit? Den Gästen der Gesprächsrunde zum Thema „#Foodblogs 2.0 – Blick über den Tellerrand“ geht es allerdings um mehr als leckeres Essen.

Eingeladen sind Hendrik Haase, der im Internet als Wurstsack unterwegs ist und hinter die Fassaden der Lebensmittelindustrie guckt. Malin Elmlid, die mit ihrem Projekt Bread Exchange durch die ganze Welt reist und ihre selbstgebackenen Brote gegen Dinge aller Art tauscht, nur nicht gegen Geld. Und von Seiten der Industrie Carmen Hillebrand, Abteilungsleiterin Social Media & Content bei der Metro.

photo3© Lisa Jansen

Worum geht’s bei der Diskussion um Food Blogs und ihre Blogger? Wie groß ist ihr Einfluss und was bedeutet das für die Ernährungsindustrie? Es geht um nichts weniger als den „Kampf für gute Lebensmittel“, konstatiert Haase gleich zu Beginn. Er spricht von einem „Wissensverlust“, was die Herkunft unserer Lebensmittel angeht. Kaum einer wisse daher, warum man für 2 € unmöglich ein gutes Brot bekommen könnte. Hier kommen die Food Blogger ins Spiel. „Blogger werden wichtig in diesem Diskurs, weil sie für etwas stehen und schreiben, was sie wichtig finden“, so Haase. Das geht weit über das Posten von netten Rezepten hinaus. Blogger decken auf und informieren. Sie haben nicht die berühmte Werbebrille auf und zwingen die Lebensmittelindustrie sich mit ihnen auseinanderzusetzen. So wurden plumpe Marketingstrategien von Lebensmittelherstellern im Netz unter den so genannten „Dishstorms“ entlarvt. Zielscheibe war u.a. das italienische Unternehmen Bertolli, die mit Werbelinks auf Food Blogs auf eigene Produkte aufmerksam machen wollten. Das entrüstete die Food Blogosphäre, die wiederum mit eigenen Rezeptentwürfen konterte.

Carmen Hillebrand von der Metro erklärt, dass Blogger gewissermaßen eine „Counter-History“ schreiben, indem sie einen anderen Blick auf das Thema Essen und Lebensmittel werfen, abseits der Interessen der Industrie. Hillebrand sieht das als Herausforderung für die Unternehmen, wie geht man mit den Bloggern um? Gerade in der Social Media Welt winden sich die Unternehmen oft, reagieren nicht angemessen und sprechen vor allem nicht die wirklich wichtigen Sachen an, so Haase, dazu gehört zum Beispiel bei einem Wurstproduzenten das Thema Antibiotika.

Was kann ein Food Blog also letztendlich bewegen? Haase, der sich auch mit Politikern auseinandersetzt, gibt zu, dass aus der Politik bisher wenig zurückkommt. Aber er wird durchaus wahrgenommen und seine Tweets werden gelesen. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, so wird dem genannten „Wissenverlust“ entgegengewirkt.

17387280172_5c2399564a_z© re:publica/Jan Zappner

Der Effekt der aufklärerischen Arbeit, die viele Food Blogs leisten, ist auf der Verbraucherseite nicht zu unterschätzen. Mit einem kritischen Verbraucher muss sich auch die Lebensmittelindustrie auseinandersetzen.

Ist es utopisch zu denken, dass Industrie und Blogger zueinanderfinden können? Moderatorin Eva Schulz stellt am Ende der Runde eine letzte Frage. Wie müsste ein Projekt der Metro aussehen, damit sich Malin Elmlid mit ihren selbstgebackenen Broten vorstellen könnte, mit ihr zusammenzuarbeiten? Elmlid muss schmunzeln. Und findet keine Antwort. Es gibt noch viel zu tun.

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