Die Liebe zum Schmerz

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Der Mensch ist das einzige Säugetier, das freiwillig Dinge tut, die ihm wehtun. Die Nase läuft, es tropft von der Stirn und brennt höllisch im Rachen, und dennoch kann so mancher nicht davon lassen: scharf essen. Masochismus oder reine Gewohnheitssache?

Laut Guiness Buch der Rekorde ist die Carolina Reaper der schärfste Chili der Welt. Zuviel davon und man muss sich mit Herzattacken, Krämpfen oder gar dem Tod plagen. Verantwortlich dafür ist ein Stoff namens Capsaicin, der sich in Paprikaarten befindet. Pflanzen schützen sich mit Capsaicin, um nicht von den Falschen gefressen zu werden, daher eignet sich der Stoff hervorragend als Pflanzenschutz vor Insekten. Denn eigentlich ist Capsaicin ein Nervengift, das unsere Schmerzrezeptoren reizt und dem Nervensystem kommuniziert: Finger weg!

Doch der Mensch tut es natürlich trotzdem. Ähnlich wie bei Alkohol wird uns bei scharfem Essen warm, obwohl es keine tatsächliche Temperaturerhöhung gibt. Die gereizten Wärmerezeptoren führen nur zu besseren Durchblutung der Gefäße. Das betrifft aber auch die Schleimhäute im Mund und das wiederum führt zur Stimulierung der Geschmacksnerven: Süß, sauer, bitter, salzig und umami schmecken plötzlich noch intensiver.

Nun schmeckt zwar alles besser, aber es tut ja immer noch weh, teilweise so sehr, dass wir die anderen Geschmäcker gar nicht mehr wahrnehmen können. Doch dafür hat die Natur eine wunderbare Lösung: Der Schmerz führt zur vermehrten Ausschüttung von natürlichen Schmerzmitteln, körpereigene Opioidpeptide, u.a. Endorphine. Man kann also sagen, dass scharfes Essen high macht, wir den Schmerz gegen etwas Rausch in Kauf nehmen. Scharfes Essen kann also süchtig machen. Es funktioniert tatsächlich wie Drogen, die ja auch nichts weiter tun, als die Ausschüttung verschiedener Stoffe in unserem Gehirn auszulösen.

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Eine südkoreanische Studie behauptet, dass Menschen, die gerne scharf essen, viel eher dazu neigen, Alkoholiker zu werden. Das Sucht- oder besser Belohnungspotential sei sich sehr ähnlich. Müsste demnach andersrum die russische Küche nicht höllisch scharf sein? Wie auch immer, Schärfe ist auf jeden Fall auch sehr aphrodisierend – soviel zur deutschen Küche…

Bilder und ein gutes Rezept für Chili-Flocken: gemmagarner.com

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