To Milk or not to Milk 


 Bildschirmfoto 2015-06-11 um 17.03.37

Milch – wir alle kennen sie, fast alle konsumieren sie. Als Getränk oder weiterverarbeitet in zahlreichen Milchprodukten. Einige baden sogar in ihr. Am „Tag der Milch“, dem 1. Juni,  wird die weiße Flüssigkeit jedes Jahr von der Milch-Lobby gefeiert. Und jedes Jahr melden sich in der ersten Juniwoche auch Milchgegner zu Wort, die sich gegen den Konsum von tierischer Milch engagieren. Milch – ja, nein, vielleicht?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt den täglichen Verzehr von Milch und Milchprodukten. Claus Leitzmann, emeritierter Professor für Ernährungswissenschaft, bestätigt, dass Milch ein wichtiger Nährstofflieferant sei. Aber: „Milch ist nur für Kälber ein ideales Nahrungsmittel.“ Milch liefert uns vor allem Kalzium. Das brauchen wir, damit unsere Knochen stark  bleiben. Aber es gibt andere Möglichkeiten, um an Kalzium zu kommen, bessere sogar:  Blattgemüse, Grünkohl, bestimmte Bohnenarten, Brokkoli oder Sesamkörner zum Beispiel.

Der Mensch war nicht immer ein Milchtrinker. Der in der Milch enthaltene Zucker Laktose konnte ursprünglich nur von Säuglingen verdaut werden. Erst mit der Ausweitung der Landwirtschaft und Tierzucht haben sich die ersten Europäer an den Milchzucker gewöhnt. Dr. Karin Bürkert von der Universität Tübingen erklärt, dass der menschliche Körper auf die Veränderungen seiner Umwelt reagiere und sich mit der Zeit an die jeweilige Lebensweise anpasse. Demnach gäbe es in dem Sinne auch keine rein „natürliche“ Ernährungsweise des Menschen, sondern Ernährung sei immer auch kulturell geprägt.

Bildschirmfoto 2015-06-11 um 17.04.13

Wir alle kennen sie also – die Milch. Doch wie funktioniert das eigentlich mit der Kuh und der Milch? Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) denken knapp über 35 Prozent der 1.000 Befragten, dass eine Kuh grundsätzlich Milch gibt. Etwa 23 Prozent haben überhaupt keine Antwort.

Muss eine Kuh ein Kalb zur Welt bringen, um Milch zu geben? Ja! Eine Kuh ist ein Säugetier und gibt nur dann Milch, wenn sie ein Kalb zur Welt gebracht hat. In der modernen Landwirtschaft mit ihrer Intensivtierhaltung bedeutet das: Eine Kuh muss jedes Jahr kalben, um Milch zu geben. Die Milch ist dann nicht für das Kalb bestimmt, sondern für den Menschen. Es geht um maximalen Gewinn. So wird das Kalb bereits nach wenigen Stunden oder Tagen von seiner Mutter getrennt. Dass die Art, wie wir heute an unsere Milch gelangen, auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, erklärt Ernährungswissenschaftler Leitzmann: „Die Milch stammt von permanent schwangeren Kühen und enthält Wachstumshormone, beides ist für den Erwachsenen kritisch zu bewerten. Milch fördert (Schleim)-Haut Irritationen wie Akne und Milchprotein soll das Risiko für Prostatakrebs und Diabetes erhöhen.“

Unsere Hochleistungsgesellschaft macht also auch vor der Milchindustrie nicht halt. Die Tierrechtsorganisation „Animal Equality“ hat die Aktionswoche gegen den Milchkonsum letzte Woche mit einem “Milchkonsum tut weh!”- Aufklärungsstand unterstützt. Am Helmholtzplatz in Berlin informierten Aktivisten über die Zustände in der Milchindustrie und warben gleichzeitig für tierleidfreie Alternativen. Passanten durften sich durch verschiedene pflanzliche Milchsorten wie Hafer-, Reis- und Sojamilch probieren. Es gibt sie also, die Alternativen.

Doch zurück zur Kuhmilch. Gibt es denn keine tierische Alternative zum Tierleid in der intensiven Milchwirtschaft? Es gibt sie, doch die findet man nicht im Supermarktregal. Und sie kann auch keine Massen an Milchtrinkern ernähren. Auf dem Hof Schwalbennest in der Nähe von Brodowin gibt es eine muttergebundene Kälberaufzucht, hier werden die Kälber nicht von ihren Müttern getrennt. Das gibt weniger Milch, logisch. Dafür darf das Kalb mittrinken. Auf dem Hof leben 5 Kühe und 45 Milchschafe und es ist einer der wenigen Betriebe, die eine muttergebundene Milchviehhaltung betreiben. Natürlich lassen sich mit dieser Methode keine Großstädte mit Milch versorgen. Aber es könnte dennoch eine Nische für kleinere Höfe sein, die mit den großen Milchhöfen nicht mehr konkurrieren können.

Bildschirmfoto 2015-06-11 um 17.04.54

Bilder: Theresa Patzschke

Kommentare

Lass einen Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.