Der stinkende König

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Durian essen ist etwa so, als würde Babykot ganz wunderbar schmecken. Die Obstdelikatesse aus Südostasien riecht für viele nach alten Tennissocken oder schlechtem Atem, daher auch Käse- oder Stinkfrucht genannt. Der Geschmack allerdings ist fast erschreckend konträr und wirklich schwer zu beschreiben, etwa wie ein Walnusseis mit feiner Vanillenote.

Die Asiaten lieben sie und widmen der Frucht ganze Festivals. Ich kann mich gut an Familienfeiern erinnern, die im Grunde nichts anderes waren als Durianschlachtfeste – natürlich draußen und in Abwesenheit deutscher Nasen.

Ein Durian kann gut 6 kg wiegen und melonengroß werden. Ursprünglich stammt er aus Indonesien und Malaysia. Der Naturforscher Alfred Russel Wallace probierte den Durian im 19. Jahrhundert zum ersten Mal auf Borneo und war sehr angetan: „In fact, to eat Durians is a new sensation worth a voyage to the East to experience…  If I had to fix on two only as representing the perfection of the two classes, I should certainly choose the Durian and the Orange as the king and queen of fruits.“

Wie es sich für einen König gehört, wird der Durian gut geschützt. Durch die dicke schwere Schale, die rund 70 % des Gewichts ausmacht, sieht er aus wie ein grün-gelber Morgenstern, übersät mit harten Dornen. Tatsächlich gibt es Geschichten über den Killer-Durian, dem der ein oder andere schon zum Opfer gefallen ist. Trotz seines Gewichts wächst der Durian nämlich nicht auf dem Boden, sondern an Bäumen. Wer sich in der Nähe reifender Durians aufhält, lebt ohne Helm ziemlich gefährlich. Darunter befindet sich das gelbe, weiche Fruchtfleisch in kleinen Kammern – umhüllt von einem penetranten Geruch, so stark, dass es Durianverbotsschilder in der singapurischen U-Bahn gibt.

Durian ist im Westen noch ein ziemlicher Exot, auch wenn es ihn schon lange im Asia-Supermarkt um die Ecke zu kaufen gibt. Beliebt ist er bisher nur bei Minderheiten, wie Migranten, die ihn aus der Heimat kennen, Gourmands mit Hang zu Grenzerfahrungen – oder aber in der Raw Food Bewegung.

Einmal im Jahr im August, und dieses Jahr das letzte Mal, findet im Staat New York das Woodstock Fruit Festival statt. Es ist einer der größten Raw Food Festivals der Welt, wo man sich für rund 1300 $ eine Woche lang den Bauch am All-you-can-eat-Buffet mit unzubereitetem Obst und Gemüse vollschlagen kann. Zwischen den Mahlzeiten kann man bei einem der unzähligen Yoga- oder Meditationskursen teilnehmen, seine Hula Hoop Künste perfektionieren oder Mandalas malen. Unter all den Früchten ist Durian auch hier unbestritten der König der Früchte. Denn keiner anderen Frucht werden Events wie die „Durian Beach Party“ oder die „Midnight Durian Vampire Party“ gewidmet, bei denen Tausende an Durians konsumiert werden. Durian ist eben etwas für leidenschaftliche Liebhaber.

Bildschirmfoto 2015-07-23 um 11.00.24© Year of the Durian

Man kann nur hoffen, dass sich das westliche Durianklientel nicht nur auf hartgesottene Raw Food Anhänger beschränkt. Es wäre schade drum, denn der Geschmack ist wirklich himmlisch. Es ist eine Kunst, den perfekten Moment des Durian auszumachen; sich mit Durian auszukennen, ist in Asien ein bisschen wie ein Wein- oder Käsekenner sein. Es gibt zig Sorten und Kreuzungen, sogar Züchtungen des Durians ohne Geruch. Paradoxerweise klingt diese Sorte wie ein Parfüm: Chanthaburi No. 1. Und ähnlich teuer ist sie auch.

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