Beiß mich! Wenn die Insekten ausbleiben…

Während der Trockenzeit gibt es Unkraut auf unseren Kakaoplantagen. In der Regenzeit kommen die Insekten. Angezogen von stagnierenden Pfützen unter unseren Theobroma Kakaobäumen sind sie wirklich überall!

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@Alboin Prints

Ich bin in Australien aufgewachsen, wo das Leben mit Krabblern und Kriechern ein Teil von mir war. Auch hier auf unserer Kakaoplantage lieben und schätzen wir sie. Sie sorgen zum Beispiel für genügend Mikroorganismen, die uns helfen Krankheiten im Zaum zu halten und die Plantage sauber halten. Wir brauchen eine natürliche Balance in unserem Anbausystem und genauso wie “Unkräuter” helfen Insekten uns bei diesem Bestreben.

Vor Kurzem habe ich eine Studie darüber gelesen, was für Auswirkungen die Nutzung von Tropischem Land auf die Biodiversität und die Balance von Ökosystemen hat. Meine Freundin Manuela Rehn aus Berlin und unsere Diskussionen über ihre Arbeit im Kampf gegen Palmöl, Waldzerstörung und den Rückgang der Orang- Utan- Populationen sind mir eingefallen.

Obgleich einige ausgewählte Medienkanäle über den Problemstand im Zusammenhang mit Palmöl berichtet haben, ist das Thema bei den großen Kanälen noch nicht angekommen. Seit 25 Jahren treibt der Palmöl-Anbau sein Unwesen in Indonesien (und davon viel im Namen der Schokoladenherstellung!). In Anbetracht dessen, ist es doch sehr verwunderlich, dass das Thema bei der Planung für Nahrungssicherheit nicht zur Sprache kommt. Im Gegenteil: Bis 2020 plant die Inselgruppe, die Produktion von Palmöl zu verdoppeln.

Meine Familiengeschichte ist von einer hundertjährigen Tradition der Agroökologie und des Sozialunternehmertums durchzogen. Meine Großeltern hatten für 60 Jahre eine Kautschuk Plantage in Papua Neuguinea, und ich war überrascht wie viel ich von unserer Kautschuk-Vergangenheit für meine Kakao-Gegenwart lernen konnte. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Kautschuk und Palmöl sind verblüffend, insbesondere im Hinblick auf Insekten. Palmöl-Plantagen haben nur ungefähr halb so viele Insekten wie natürliche Wälder und der Rückgang geht vor allem auf Kosten der Raubinsekten, welche einen großen Teil zu der natürlichen Balance des Waldbodens beitragen.

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Die Bauern mit denen ich arbeite und auch die von meinem Vater haben mir beigebracht, wie unglaublich wichtig Insekten für die natürliche Balance in einem Anbaukontext sind. Sie gehören auch zu den besten Abwehrkräften von Pflanzen. Ich kann mir also nicht vorstellen, wie ein Wald mit nur der Hälfte der kleinen Helfer auskommen kann! Wie soll ein ganzer Palmöl-Wald mit diesem Mangel sein System schützen?

Klar, die Antwort sind natürlich Chemikalien! Und so sieht der Teufelskreis aus: Mehr Chemikalien, weniger Insekten, mehr Chemikalien, weniger Natur, mehr Chemikalien, weniger von allem – mehr Chemikalien!

Fakt ist: Wir brauchen kein Palmöl. Es ist ein billiger, hässlicher Ersatzstoff für Konzerne, die keine Prioritäten setzen, die weder Wert auf Geschmack und das Erleben von Nahrungsmitteln setzen, noch auf Gesundheit oder Verantwortung.

Wenn du Insekten und Käfer liebst, oder als Kind Stunden damit verbracht hast sie zu beobachten, dann kannst du jetzt ganz leicht was tun: Lies’ dir die Zutaten auf den Packungen im Supermarkt durch! Ist deine Schokolade oder andere Lebensmitteln mit Palmöl hergestellt? Wenn ja, lass’ es im Regal stehen! Der WWF hat vor Kurzem eine große Liste mit allen Produkten, die Palmöl enthalten, zusammengestellt. Also: Schau dir deine größten Einkaufswagen- Füller einmal genauer an, damit es auf dieser Welt wieder mehr kraucht und fleucht.

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